Mokka Pot Kaffee zubereiten — Rezept und Anleitung | We Roast Coffee Berlin

Der Mokka Pot ist das älteste Brühgerät dieser Liste und gleichzeitig das mit den meisten Missverständnissen. Er macht keinen Espresso, er braucht keinen hohen Druck, und man muss ihn niemals auf volle Hitze stellen. Wer das versteht, bekommt einen konzentrierten, vollmundigen Kaffee der auf dem Herd in sieben Minuten fertig ist.

Was der Mokka Pot ist und was nicht

Der Mokka Pot, erfunden 1933 von Alfonso Bialetti, arbeitet mit Dampfdruck von 1 bis 2 bar. Espressomaschinen arbeiten mit 9 bar. Das Ergebnis ist konzentriert und stark, aber hat eine andere Textur als Espresso: weniger Crema, mehr Bitterkeit, vollmundiger Körper.

In Südeuropa, besonders in Italien, ist der Mokka Pot das meistgenutzte Haushaltsgerät für Kaffee. Er steht auf dem Herd, er macht keine komplizierten Einstellungen nötig und er funktioniert ohne Strom. Das sind seine Vorteile.

Wichtig: Das Sicherheitsventil am unteren Kammerteil ist kein optionales Bauteil. Nie Wasser über das Ventil füllen. Nie den Mokka Pot auf dem Herd lassen wenn kein Wasser mehr da ist. Wer das ignoriert, riskiert einen Druckaufbau der gefährlich werden kann.

Das Basisrezept

Kaffeemenge Siebkorb locker und gleichmäßig füllen, nicht tampen
Wassermenge Bis knapp unter das Sicherheitsventil
Mahlgrad Mittelfein bis fein, nicht Espresso-fein
Hitze Mittel bis niedrig, niemals maximale Hitze
Gesamtzeit 5–8 Minuten je nach Größe und Herd
Fertig wenn Helles Kaffeesprudeln aus dem Röhrchen, bevor Zischen beginnt

Schritt für Schritt

  1. Wasser einfüllen. Unteres Kammerteil mit Wasser füllen, knapp unter das Sicherheitsventil. Das Ventil muss frei bleiben. Wer heißes Wasser nimmt, reduziert die Zeit auf dem Herd und damit das Risiko der Überextraktion durch zu lange Hitzeeinwirkung.
  2. Siebkorb befüllen. Frisch und mittelfein gemahlen. Den Siebkorb gleichmäßig füllen, Oberfläche mit dem Finger glatt streichen. Nicht tampen. Der Mokka Pot hat kein Pumpsystem, zu viel Widerstand erzeugt Probleme.
  3. Zusammensetzen. Siebkorb in die untere Kammer einsetzen. Dichtung und Siebplatte im Oberteil sitzen korrekt. Oberteil fest aufschrauben, aber nicht mit Kraft. Wenn Kaffee an der Dichtung vorbeisickert, ist die Dichtung alt oder nicht richtig eingesetzt.
  4. Auf mittlere bis niedrige Hitze stellen. Deckel offen lassen um den Prozess beobachten zu können. Volle Hitze ist der häufigste Fehler: zu viel Druck, zu heißes Wasser, überextrahierter Kaffee.
  5. Warten und beobachten. Nach einigen Minuten beginnt Kaffee aus dem zentralen Röhrchen zu fließen. Das ist der Moment auf den man gewartet hat. Der Kaffee sollte gleichmäßig und ruhig fließen, nicht spritzen.
  6. Hitze reduzieren sobald Kaffee fließt. Auf Minimum oder ganz vom Herd nehmen. Der Druck im Unterteil reicht um den restlichen Kaffee durchzudrücken. Wer die Hitze zu diesem Zeitpunkt noch hoch lässt, verbrennt den Kaffee im Oberteil.
  7. Beim Zischen sofort vom Herd. Ein Zischen oder Spucken bedeutet: das Wasser im Unterteil ist fast aufgebraucht, Dampf drückt durch. Jetzt kommt nichts Gutes mehr. Sofort vom Herd nehmen.
  8. Optional: Unterteil kurz unter kaltes Wasser halten. Das stoppt die Extraktion sofort und verhindert Nachbitterkeit durch Restwärme. In Italien macht das kaum jemand, im Specialty-Kontext macht es einen Unterschied.
  9. Umrühren und einschenken. Kurz umrühren bevor eingeschenkt wird, weil der Kaffee im Oberteil unterschiedlich konzentriert ist. Den ersten konzentrierten Teil mit dem verdünnteren mischen ergibt einen ausgeglicheneren Kaffee.

Hitze ist die wichtigste Variable

Der Mokka Pot hat keine Drucksteuerung, keine Temperaturkontrolle, keine Pumpe. Die einzige Variable die der Nutzer kontrolliert, ist die Hitze. Und sie ist entscheidend.

Zu hohe Hitze

Wasser wird zu heiß bevor es durch den Kaffee gedrückt wird. Überextraktion, Bitterkeit, metallischer Geschmack. Der Kaffee spritzt und blubbert statt ruhig zu fließen.

Richtige Hitze

Mittlere bis niedrige Einstellung. Der Kaffee fließt nach 4 bis 6 Minuten gleichmäßig und ruhig. Honigbraune Farbe zu Beginn, dann dunkler werdend.

Zu niedrige Hitze

Dauert zu lange, Kaffee kühlt im Oberteil ab bevor er fertig ist. Selten ein Problem, aber möglich auf schwachen Herden.

Häufige Fehler

Kaffee bitter und verbrannt

Zu hohe Hitze

Die Ursache von 80% aller schlechten Mokka-Pot-Ergebnisse. Hitze auf mittel bis niedrig reduzieren. Der Kaffee darf kein Geräusch machen bis er fast fertig ist.

Kaffee sickert an der Dichtung

Dichtung alt oder falsch eingesetzt

Dichtung prüfen und richtig einsetzen. Mokka-Pot-Dichtungen halten 1 bis 2 Jahre, Ersatzteile kosten wenig und sind überall erhältlich.

Drücken schwer, Kaffee fließt nicht

Mahlgrad zu fein oder zu viel Kaffee

Espresso-feiner Mahlgrad verstopft das Sieb. Mahlgrad etwas gröber einstellen und den Siebkorb nicht überfüllen.

Kaffee zu dünn

Zu wenig Kaffee oder Mahlgrad zu grob

Siebkorb vollständig befüllen. Mahlgrad etwas feiner einstellen. Der Mokka Pot produziert am besten wenn der Siebkorb gleichmäßig und vollständig gefüllt ist.

Kaffee spritzt beim Fließen

Hitze immer noch zu hoch

Ruhiges, gleichmäßiges Fließen ist das Ziel. Spritzen bedeutet zu viel Dampfdruck durch zu hohe Hitze.

Metallischer Geschmack beim ersten Mal

Neuer Mokka Pot

Einen neuen Mokka Pot zwei bis drei Mal mit billigem Kaffee einkochen bevor man guten Kaffee verwendet. Das entfernt Metallrückstände aus der Produktion.

Mokka Pot pflegen

Nur mit Wasser auswaschen, kein Spülmittel. Spülmittel entfernt die dünne Kaffeeöl-Patina die sich im Laufe der Zeit aufbaut und den Geschmack verbessert. Nach dem Waschen vollständig trocknen lassen bevor er zusammengesetzt wird. Feuchtigkeit im Inneren führt zu Schimmel und Korrosion.

Dichtung und Sieb regelmäßig prüfen. Beides sind Verschleißteile die sich einfach ersetzen lassen und den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Ergebnis ausmachen können.

Welcher WRC-Kaffee für den Mokka Pot?

Der Mokka Pot produziert einen intensiven, vollmundigen Kaffee. Er betont Röstaromen und Körper, dämpft Feinheit und Frucht. Kaffees mit Schokoladen- und Nussprofil kommen am besten raus.

House Blend Espresso: Milchschokolade, Karamell, Mandel. Der klassische Mokka-Pot-Kaffee. Zugänglich, vollmundig, ohne Schärfe. Gut pur oder mit Milch.

South Blend: Zartbitterschokolade, Nuss. Für alle die es etwas intensiver und komplexer wollen ohne in Bitterkeit abzudriften.

Single Origin Kaffees mit viel Frucht und Säure empfehlen wir für den Mokka Pot nicht. Die Intensität des Verfahrens überlagert die feinen Noten. Dafür lieber AeroPress oder V60.

Den richtigen Kaffee für deinen Mokka Pot.

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